Zur Diskussion, wie schwierig es ist, brauchbare Lehmsteine für ein Insektenhotel herzustellen, hab ich in unserem Lehmbauhandbuch nachgeschaut. Es ist von Gernot Minke, "Lehmbau-Handbuch, der Baustoff Lehm und seine Anwendung", im Ökobuch-Verlag erschienen. Wir haben die Ausgabe von 1994.
Ich versuche mal, die nötigsten Informationen, wie Lehmsteine gefertigt werden könnten, wiederzugeben. In dem Buch geht es nicht um den Bau von Insektenhotels, insofern gibt's keine spezifischen Informationen.
Für die Herstellung von Lehmsteinen sollte
sandiger Lehm verwendet werden.
Um die Zusammensetzung des Lehms vorab zu prüfen, kann man z.B. folgende einfache Tests durchführen.
Reibe-und Wischtest:
feuchte Lehmprobe zwischen Fingern und Handfläche zerreiben. Wenn sich die Masse körnig anfühlt, deutet das auf einen hohen Sandgehalt hin. Klebt der Lehm an der Hand, lässt sich aber nach dem Trocknen leicht abrubbeln und der Rest mit Wasser leicht abspülen, ist der Schluffgehalt hoch. Klebt die Masse fest an der Hand und lassen sich die Reste nicht leicht abrubbeln und auch erst nach längerer Zeit abspülen, so deutet es auf einen hohen Tongehalt.
Beim
Schneidetest wird eine Lehmkugel mit einem Messer zertrennt. Ist die Schnittfläche mattglänzend, liegt schluffiger Lehm vor, glänzt sie stark, ist es toniger Lehm. Sandiger Lehm würde beim Schneiden eine durch Sandkörner aufgerauhte Schnittfläche zeigen.
Gut geeignet erscheint mir auch der
Falltest. Gern würde ich das Bild aus dem Buch abfotografieren, um es anschaulicher zu machen. Ich weiß aber nicht, ob ich das darf?
@Hexchen71 könntest Du mir das kurz noch mal schreiben? Beim Kugelfalltest soll der Lehm so
trocken sein, dass er sich gerade noch zu einer Kugel (4 cm Durchmesser) formen lässt. Diese wird aus einer Höhe von 1,5 m fallen gelassen. Zerbröselt sie am Boden völlig, ist der Lehm so sandig, dass er sich nur zur Herstellung von Mörtel eignet. Verformt sich die Kugel nur zu einem flachen Fladen mit keinen oder sehr wenigen Rissen, ist der Lehm sehr tonhaltig=fett, hat eine hohe Bindekraft und sollte mit Sand abgemagert werden. Fallen äußere Teile der Kugel ab, bleibt aber der größte Teil der Kugel als Klumpen erhalten, eignet sich der Lehm zur Herstellung von Lehmsteinen oder Stampflehm.
Kurzer Einschub eigener Erfahrung: Lehm lässt sich deutlich leichter verarbeiten, wenn er über mindestens einen Winter draußen gelagert wurde und durchfrieren konnte. Dazu eine Plane so auslegen, das Wasser ablaufen kann, den Lehm vielleicht 10 bis 20 cm hoch ausbreiten. Nicht abdecken. So lagern, dass nicht allzu viel organisches Material drauffallen kann. Nach dem Durchfrieren ist der Lehm sehr feinkrümelig und trocken und lässt sich deutlich leichter anmischen! (Außerdem kommt der Kleiber und holt sich was, um seinen Nesteingang zu verschmieren, sehr hübsch

)
Lehmsteine können durch Einfüllen breiiger Konsistenz, durch Einwerfen plastischer Konsistenz oder durch Stampfen von erdfeuchtem Lehm in entsprechende Rahmen aus Holz hergestellt werden.
Einwerfen ist die am meisten benutzte Methode. Hierzu wird
sandiger Lehm mit Wasser und Strohhäcksel angemischt und mit
großem Schwung bzw. Kraft mit beiden Händen in die Form geworfen. Es hat sich gezeigt, dass das kräftige Einwerfen möglichst der ganzen benötigten Menge auf einmal die besten Ergebnisse zeigt. Das Material wird so am besten verdichtet und die Festigkeit des Steins nach der Trocknung ist am höchsten. Überschüssiges Material mit einer Leiste abziehen. Nachfüllen oder Einfüllen/Einwerfen in Schichten, weil das Material nicht ausreicht, sollte vermieden werden. Es führt zu Rißbildungen und mangelnder Festigkeit. Die Form wird ruckartig hochgezogen, der Stein sollte dann leicht antrocknen.
Zum endgültigen Trocknen sollte der Stein auf der Schmalseite gelagert werden! Lagern auf der flachen Seite führt zu ungleicher Austrocknung und Rissen!
Beim Einstampfen von Lehm in Formen muss mit bis zu 8 % Zement stabilisiert werden, da sonst mangels Wasser und Mischvorgang die Bindekraft nicht ausreicht.
Soweit die Informationen, die ich dem Buch entnommen habe.
Kleinere Mengen Lehm können mit kräftigen Bohrmaschinen und Quirlen (am besten die, die unten nicht vollständig durch einen Ring geschlossen sind) angemischt werden. Es ist wichtig, einige Zeit zu mischen, auch wenn man meint, die Bestandteile hätten sich schon vermischt. (So wie beim Backen eines Rührteiges, der braucht ja auch ein bißchen

)
Boah, das war jetzt lang. Und hoffentlich interessiert es überhaupt jemanden.

Ach so, ich will mich noch selbst noch korrigieren: Grünlinge werden gebrannt, ich hatte es falsch geschrieben.
:girliehut